Autor: Thomas Reddmann

  • Polarlichter über Karlsruhe

    Von:

    Die Polarlichter vom 19. Januar waren über der Nebeldecke im Rheintal ein sehr eindrückliches Erlebnis, in der Stärke für Karlsruhe mit den Polarlichtern in der Folge des geomagnetischen Sturms vom November 2003 vergleichbar. Sie waren mit einer Sonneneruption verbunden, die in Folge eine Wolke geladener Teilchen in Richtung Erde schickte und bei uns einen geomagnetischen Sturm auslöste. Auch Sternfreunde der AVKa konnten dieses himmlische Schauspiel beobachten. Bilder dieses Ereignisses sind auf YouTube zu finden. Polarlichter treten in der Phase hoher Sonnenaktivität häufiger auf.

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    Ist die jetzige Sonnenaktivität ungewöhnlich?

    Eigentlich nicht. Wir sind immer noch nahe dem Sonnenmaximum, dh. erhöhter Zahl von Sonnenflecken. Und da geomagnetische Stürme meistens mit Sonneneruptionen zusammenhängen, und diese von aktiven Fleckengruppen ausgehen, sind solche Polarlichtsichtungen in mittleren Breiten durchaus zu erwarten. Allerdings waren nach dem letzten, schwachen Sonnenzyklus – die Aktivität hat ein Rythmus von 11 Jahren – einige Wissenschaftler der Meinung, die Sonne gehe nun in einen fleckenlosen, inaktiven Zustand. Aber da hatte man sich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Bisher haben wir keine verläßliche Methode, die Stärke der Sonnenaktivität vorherzusagen.

    Bleibt die Aktivität der Sonne in der nächsten Zeit weiterhin hoch?

    Nicht einmal das wissen wir. Die vergangenen Zyklen wiesen eine Art Doppelmaximum auf. Das könnte auch dieses Mal für eine Verlängerung der aktiven Phase sorgen. Im Übrigen zeigt sich, dass gerade bei abklingender Sonnenaktivität, also nach dem Maximum, starke geomagnetische Stürme auftreten. Wir können also damit rechnen, dass es noch weitere Male in diesem Jahr Polarlichter bis in mittlere Breiten schaffen. Und wenn sie bei uns in der auftreten, und es keine Wolken gibt, dann können wir sie auch genießen. Allerdings waren die Polarlichter vom 19.1. doch ungewöhnlich intensiv.

    Gab es viele solcher Stürme die letzte Zeit?

    Um es nochmals klarzustellen: Sonnenstürme, oder Sonneneruptionen sind das eine. Dabei werden Gasmassen von der Sonne geworfen und schnelle geladene Teilchen erzeugt. Die schnellsten geladenen Teilchen folgen den Magnetfeldern und können über die Polgebiete nahe an die Erde kommen, bis in die Atmosphäre. Die etwas langsameren ausgestoßenen Gaswolken, auch aus geladenen Teilchen bestehend, pressen und verbiegen die Magnetosphäre der Erde, wenn sie in unsere Richtung ausgestoßen werden. Das ist dann der geomagnetische Sturm, und dieser erst bringt die Polarlichter in mittlere Breiten. Für die Stärke der Störungen im Erdmagnetfeld gibt es Indizes, bsws. den Kp-Index. Der war am 19.1. nahe 9, also ein sehr starker geomagnetischer Sturm. das gab es ähnlich stark zuletzt am 12. November. Nur bei solch starken Stürmen sehen wir Polarlichter auch bei uns, sonst sind sie auf die geomagnetsche Breite um 65° beschränkt. Deswegen gibt es ja die Polarlichtreisen nach Nordskandinavien.

    Sind die Sonnen- und geomagnetischen Stürme gefährlich?

    Die Teilchen- und Röntgenstrahlung direkt von der Sonne, die bei solchen „Flares“ erzeugt wird bleibt in unserer Atmosphäre stecken. Sie schirmt uns super gut ab. Aber im Weltraum gilt das nicht mehr und ein starker Sonnenausbruch kann Satelliten reihenweise lahmlegen. Bei unserer heutigen Abhängigkeit von dieser Infrastruktur, Stichwort Navi, ist das schon eine reelle Gefahr. In der Stratosphäre bleibt ein Sonnenausbruch  auch nicht ohne Folgen, und führt zu zeitweise starken Ozonabbau. Aber unsere Studien am KIT haben gezeigt, dass auch wirklich extreme Flares nur wenig die schädliche UV-Strahlung am Boden erhöhen und sich die Ozonschicht innerhalb eines Jahres wieder erholt. Zum Weiteren führt die erhöhte Sonnenaktivität zu einer Erwärmung und Ausdehnung der Hochatmosphäre. Dadaurch erhöht sind die Luftreibung und die Lebenszeit der Satelliten wird verkürzt. Und schließlich: geomagnetische Stürme bringen den globalen Stromkreis von der Erdoberfläche durch die Ionosphäre durcheinander und können in hohen Breiten für hohe, natürliche Ströme sorgen, die Leitungen zum Schmelzen bringen, Lecks in Pipelines verursachen und zu Überlastungen in Transformatoren führen. Damit verbundene Blackouts bergen natürlich hohe Risiken.

  • Der Sternschnuppenschwarm der Geminiden 2025

    Von:

    Die Geminiden sind ein Sternschnuppenschwarm. Sternschnuppen sind kleine Staubteilchen, die beim Eintritt in die Atmosphäre in etwa 100 km Höhe verglühen. Der Name bezeichnet das Sternbild, aus dem die Sternschnuppen zu kommen scheinen. Hier ist es das Sternbild Zwillinge, lat. Gemini.

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  • Polarlichter über Karlsruhe am 10.5.2024

    Noch vor Sonnenuntergang konnte die Sonne mit der riesigen komplexen Fleckengruppe am C11 und Protuberanzen mit dem kleinen Lunt-Refraktor eines Mitglieds beobachtet werden. Dann war die Mondsichel an der Reihe, die mit zunehmender Dunkelheit immer mehr an Kontrast gewann, und die Besucher von jung bis alt beeindruckte. Und dann, nach 22 Uhr, begann dann plötzlich die Hauptvorstellung: ein rötliches Leuchten zog über den Himmel. Polarlichter! Wohl war die Möglichkeit von Polarlichtern nach koronalen Massenauswürfen ausgehend von der aktiven Fleckengruppe  vorhergesagt, aber auf der Webseite von space weather hieß es, das die Plasmawolke die Erde früher als erwartet erreicht hatte, und quasi schon alles vorbei wäre. Aber auch die Vorhersage von Raumwetter ist schwierig, und so konnten wir uns auf der Sternwarte an den dauernd verändernden Strukturen der Aurora erfreuen. 

    Polarlicht Karlsruhe

    Hier noch ein Video von Samstag, 11.05.24 von der Teufelsmühle auf dem noch Ansätze von Polarlichtern sichtbar sind.

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  • T Coronae Borealis – eine angekündigte extreme Nova

    TCrB

    Im Sternbild Nördliche Krone befindet sich ein Doppelsternsystem, das aus einem Roten Riesen und einem Weißen Zwerg besteht. Der Doppelstern in 2700 Lichtjjahren Entfernung ist normalerweise nur im Teleskop beobachtbar und hat eine Helligkeit von etwa 11 mag. Vom Roten Riesen strömt dabei kontinuierlich Materie auf den Weißen Zwerg. Dadurch bildet sich eine Schale von Wasserstoff um den Weißen Zwerg, und bei genügender Dichte zündet darin das Wasserstoffbrennen. Dies führt zu einem enormen Anstieg der Helligkeit des Systems, und er wird etwa so hell wie der Hauptstern in der Krone. In wenigen Tagen ist der Wasserstoff verbraucht, und der Stern wird für das bloße Auge wieder unsichtbar.

    Etwa 80 Jahre braucht es, bis auf dem Weißen Zwerg sich soviel Wasserstoff angesammelt hat, dass die Fusionsreaktionen zünden. Dies weiß man aus historischen Beobachtungen, die man bis ins Mittelalter zurück verfolgen konnte. Der nächste Ausbruch wird in diesem Jahr erwartet, die NASA schätzt, dass dies bis September geschieht. Die Beobachtung dieses Ereignisses ist ein wirklich seltenes Erlebnis.

    Die Karte unten (erstellt mit dem Programm Stellarium) zeigt das Sternbild und die Position des veränderlichen Sterns. Es lohnt sich, die nächsten Monate das  Sternbild zu kontrollieren.

    Weitere Infos hier.

  • Batterieblock der ISS: letzter Überflug über Karlsruhe

    Am Abend des 8.3.2024 war der Wiedereintritt des Batterieblock der ISS angekündigt. Der Batterieblock hatte die Größe und das Gewicht eines großen Autos. Für unsere Region waren 2 Überflüge an dem Abend angeündigt, um 19:23 über Nordrhein-Westfalen, und um 20:48 eine Trajektorie über Straßburg. Unser Mitglied R. Migueles konnte den ersten Überflug tatsächlich noch visuell am Himmel verfolgen. Das Objekt hatte, typisch für die geringe Bahnhöhe, eine leichte Schlingerbewegung.
    Beim zweiten Überflug war der Eintritt dann bereits erfolgt oder der Vorbeiflug fand zu diesem späteren Zeitpunkt bereits im Erdschatten statt.

  • Jürgen Reichert 1939 – 2023

    Nach langer Krankheit ist unser Gründungsmitglied, langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied

    in der vergangenen Woche verstorben.

    Jürgen Reichert hat unseren Verein über lange Zeit geprägt. Seine Kompetenz in der Astronomie und sein Engagement bei der Vermittlung des astronomischen Wissens für die Mitglieder und die Öffentlichkeit waren beispielgebend. Wer erinnert sich nicht an seine lebendigen, mit Humor gewürzten Vorträge zu beinahe allen Bereichen der Astronomie im Naturkundemuseum und bei anderen Gelegenheiten. Oder an die von ihm initiierte und umgesetzte Übertragung des Venustransits 2004 von der   Rüppurrer Sternwarte aus, die eine so hohe Nachfrage im Internet fand, dass der Webserver des Providers in die Knie ging. Sein ganz besonderes Interesse galt dem Bereich der Himmelsmechanik. Und hier kam auch sein besonderer Charakter zur Geltung: Weil er genau verstehen wollte, wie die Positionen der Himmelsobjekte in den Kalendern zustande kamen, berechnete er die Ephemeriden selbst und eignete sich alle die dazu notwendigen Techniken an. Dh. Eindringen in die Störungsrechnung zwischen Planeten, Umsetzung in Rechenprogramme, ihre Optimierung und schließlich die Entwicklung eines auch für Normalmenschen nutzbarem Programm, sein auch heute noch lauffähiges ASME-Programm. Und die Himmelsmechanik brachte ihn dazu, sich mit dem Werk Johannes Keplers  auseinanderzusetzen. Auch hier muss man seine Gründlichkeit und seine Ausdauer bewundern: Er blieb nicht bei der Lektüre der Sekundärliteratur, sondern er wollte  das Original lesen und verstehen. Das hieß, sich das Latein des Mittelalters anzueignen, und auch die Rechnungen Keplers nachzuvollziehen. Und als letzter Schritt sollte dies auch nicht für ihn allein sein, sondern als Veröffentlichung ein Beitrag zur Astronomiegeschichte werden. Und wurde es: zwei Bücher zu Kepler konnte er noch, trotz seiner Krankheit, zur Veröffentlichung bringen.

    Er hatte noch vor der Pandemie einen Vortrag zu Episoden aus der Vereinsgeschichte geplant, den er dann leider nicht mehr halten konnte. Aber auch hier hat er die Arbeit zu einem Abschluss gebracht, und den Vortrag schriftlich zusammengefasst.

    Seiner Familie, natürlich besonders seinen Kindern, möchten wir unsere herzliche Anteilnahme über diesen herben Verlust ausdrücken. Denen er über viele Jahre ein zugewandter Freund war, werden ihn schmerzlich vermissen. Im Verein wird Jürgen Reichert unvergessen bleiben. Wir wollen unsere Arbeit auch in seinem Sinne fortführen.

    Für den Vorstand der AVKa, 5. Februar 2023

    Thomas Reddmann
    Dietmar Henß

  • Die Jupiter-Saturn-Konjunktion Dezember 2020

    Jupiter-Saturn 16.12.2020 (Hans-Peter Anderer)
    Jupiter-Saturn 17.12.2020 (Martin Füger)
    Jupiter – Saturn 17.12.2020 (Hans-Peter Anderer)
    Jupiter-Saturn 18.12.2020 (Harald Kaiser)
    Jupiter-Saturn 18.12. (Harald Kaiser)
  • Nachtleuchtende Wolken über KA

    Vielleicht ist es ja auch anderen aufgefallen: seit einigen Tagen sind am Nordhorizont zirrenartige Wolken zu sehen, die trotz zunehmender Dämmerung eher heller als dunkler wurden. Sogar beim ersten Sternenlicht sind sie noch zu sehen. Dies sind sogenannte nachtleuchtende Wolken – also Eiswolken etwas unterhalb der Mesopause in etwa 80 km Höhe, die bevorzugt um diese Jahreszeit auftauchen. Allerdings typisch in der geographischen Breite von Norddeutschland, und nur selten bei uns, da die tiefsten Temperaturen, so um die -130° Celsius und darunter, polwärts zu finden sind.

    Aufnahme vom 21. Juni 2019 23:00 Uhr

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  • Der Sternhaufen Gaia-1

    Sternhaufen Gaia-1

    Der Vortrag von Prof. Jordan über die Ergebnisse der Gaia-Mission im Januar 2018 wird vielen Besucher noch in bester Erinnerung sein. Unser Mitglied Harald Kaiser, begeistert von den vielen neuen Ergebnissen der Gaia-Mission und vom Karlsruher-Stadtteil Oberreut aus astro-fotografisch sehr aktiv, konnte die nächsten klaren Stunden kaum erwarten, um den von Gaia entdeckten Sternhaufen bei Sirius auch mal selbst abzulichten. Dazu musste er aber einen Trick anwenden, und den hellsten Fixstern am Himmel auf der Kamera abdecken, damit die schwachen Sterne des Sternhaufens nicht im Streulicht von Sirius untergehen. Das Ergebnis hat er zunächst in unserem Forum vorgestellt und auch Prof. Jordan weitergeleitet. Der wiederum war begeistert und hat seine Aufnahme der ESA weitergeleitet, die sie vor Kurzem als Bild der Woche veröffentlicht hat (ESA Space in Images Sternhaufen Gaia-1). Herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Ergebnis!

  • Merkurtransit Rückschau

    Der Merkurtransit (von H. Kaiser)

    Unser Mitglied H. Kaiser schreibt:

    Nach den letzten drei wirklich nahezu unfassbar schönen Tagen die so mancher Astrofan durchgängig schlaflos verbracht hat, wie ich auch (einen fetten Kuss an meine Frau die so einiges mit mir erlebt hat…!) habe ich auf schönes Wetter auch für den Merkurtransit gehofft. Die Aussichten haben Wettereinschränkungen vorhergesagt. Trotzdem, das Equipment war pünktlich aufgebaut. Die Sonne war doch sehr bemüht milchig und diesig durch die Suppe durchzukommen. Immerhin war der Eintritt 13.12 Uhr deutlich wahrnehmbar und dann ging es auch mit dem Wetter bergauf. Bis 15.20 Uhr war alles o.k. Merkur ein sehr schönes, randscharfes Scheibchen, dazu einige Fleckchen auf der Sonne. Mit Baader visueller Sonnenfolie war bei ISO 400 eine Belichtungszeit bei f8 von 1/630 möglich. Beim Eintritt war es noch 1/400. Für einige Bilder habe ich auch die Serienbildfunktion meiner Sony a7II genutzt mit der Einstellung auf high. Merkur bewegt sich doch recht schnell und wenn ich Bilder stacken will sollte er nicht weiterwandern, sonst gibt’s ein Osterein auf der Sonnenscheibe.

    Nachdem sich über dem Elsass eine fette Wolkenfront aufgebaut hat, die auch letztlich über Karlsruhe lag hab ich abgebaut. Wer durchgehalten hat konnte nach 17.30 Uhr noch einmal richtig zuschlagen. Da war der Himmel wieder klar. Ich persönlich bin ganz stolz dabei gewesen zu sein. Es war mein erster Blick auf den Merkur. Morgens und abends habe ich es bisher nie geschafft.

    Sternwarte

    Auch von der Sternwarte war der Transit gut zu beobachten. Zu Ende des Unterrichts waren einige Schüler gekommen, um das Ereignis im Teleskop zu sehen, es waren aber auch regelmäßig immer wieder kleinere Besuchergruppen da, die durch die Fernrohre schauen wollten. Gerade noch kurz vor dem absehbaren Ende durch die Wolken kamen dann noch einige Interessierte.

    Merkur um 16:32, C8, Standort Sternwarte (Autor TR)