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An den lauen Maiabenden können die beiden hellsten Planeten gesichtet werden: Venus und Jupiter. Venus wird sich in den kommenden Wochen immer mehr Jupiter nähern. In der zweiten Monatshälfte gesellt sich Merkur hinzu, doch steht er tief über dem Nordwesthorizont und ist daher nicht einfach zu erkennen. Das Frühlingsdreieck, gebildet aus den hellen Sternen Regulus im Löwen, Arktur im Bärenhüter und Spica in der Jungfrau ist im Mai optimal zu beobachten. Am Morgenhimmel können ab der zweiten Monatshälfte die Planeten Mars und Saturn tief über dem östlichen bzw. nordöstlichen Horizont wieder aufgefunden werden. Noch sind beide aber eher etwas für Spezialisten. ✨
Mond
01.: Vollmond (Waage)
09.: Letztes Viertel (Steinbock)
16.: Neumond (Widder)
17.: Erste Sichtung am Abendhimmel möglich (gegen 22:15 MESZ)
23.: Erstes Viertel (Löwe)
31.: Vollmond (Skorpion)
Planeten und Kleinplaneten
Merkur
steht am 14. Mai in unterer Konjunktion mit der Sonne und eilt in den folgenden Tagen rasch ostwärts. Spezialisten können bereits kurz nach dem 20. Mai versuchen, den flinken Planeten in der hellen Dämmerung knapp über dem NW-Horizont auszumachen. Am 22. Mai findet man den –1.4m hellen Planeten um 21:30 MESZ etwa 4° über dem Horizont. Bis zum Monatsende wird er zu einem im Fernglas einfachen Objekt, und kann eventuell sogar mit dem bloßen Auge gesichtet werden. Am 31. Mai kann der –0.6m helle Planet gegen 22:15 MESZ am besten beobachtet werden. Merkur bewegt sich durch das Sternbild Stier, dessen Sterne in der Dämmerung aber kaum erkennbar sind.

Venus
erreicht gegen Monatsende die größten Horizonthöhen während dieser Sichtbarkeit. Venus ist das auffälligste Objekt der ersten Nachtstunden und kann bereits in der hellen Dämmerung gut gesehen werden. Der –3.9m helle Planet geht am 1. Mai um 23:15 MESZ unter, am 31. Mai um 0:00 MESZ. Venus bewegt sich zunächst durch das Sternbild Stier und wechselt am 19. Mai in das Sternbild Zwillinge, wobei sie sich Jupiter annähert. Am 3. Mai passiert sie Aldebaran 7° nördlich. Am 18. Mai finden wir die Mondsichel 4° rechts der Venus. Im Teleskop erkennt man ein etwa 12.5“ großes Scheibchen, das zu etwa 85% beleuchtet ist.


Mars
kann von Spezialisten mit einem Fernglas eventuell um die Monatsmitte erstmals knapp über dem morgendlichen ONO-Horizont gesichtet werden. Am 15. Mai befindet sich der 1.3m helle rote Planet 5° rechts unterhalb der schmalen Mondsichel. Die Beobachtung sollte gegen 5:15 MESZ durchgeführt werden. Am Monatsende ergibt sich die beste Beobachtungszeit gegen 4:45 MESZ.

Jupiter
kann im Mai noch gut beobachtet werden, doch ist er bereits in die Westhälfte des Himmels gewandert. Der –1.9m helle Gasplanet bewegt sich rechtläufig durch das Sternbild Zwillinge, wobei er sich immer mehr Pollux nähert. Sein Untergang verlagert sich im Monatsverlauf von 2:15 MESZ auf 0:30 MESZ. Somit sollte man bereits kurz nach Dämmerungsende mit teleskopischen Beobachtungen beginnen. Der Mond passiert Jupiter am 20. Mai. Am frühen Abend findet man die Mondsichel 4° links oberhalb des Riesenplaneten. Im Teleskop zeigt der Gasplanet ein ovales Scheibchen, dessen scheinbarer Äquatordurchmesser von 35.6“ auf 33.1“ schrumpft. Noch kann Jupiters hochdynamische Atmosphäre mit dem auffälligen Nördlichen und Südlichen Äquatorialband und dem Großen Roten Fleck an dessen Südrand gut beobachtet werden. Mit größeren Instrumenten können zudem weitere Bänder erkannt werden. Von Nacht zu Nacht deutlich wechselnde Konstellationen bieten die vier hellsten Jupitermonde. Zudem sind zahlreiche Bedeckungen und Verfinsterungen durch Jupiter bzw. seinen Schatten, sowie Durchgänge und Schattenvorübergänge der Monde vor der Jupiterscheibe zu beobachten.

Saturn
kann ab der zweiten Monatshälfte am Morgenhimmel gesichtet werden. Der 0.9m helle Ringplanet bewegt sich durch eine Randregion des Sternbilds Walfisch, das man südlich des Sternbilds Fische findet, und erscheint somit über dem Osthorizont. Die beste Beobachtungszeit ergibt sich zur Monatsmitte gegen 5:00 MESZ, am Monatsende gegen 4:15 MESZ. Am Morgen des 13. bzw. 14. Mai kann eventuell die schmale Mondsichel beim Auffinden helfen. Diese steht am 13. Mai 9° rechts oberhalb des Ringplaneten am 14. Mai 7° links oberhalb desselben.

Uranus
steht am 22. Mai in Konjunktion mit der Sonne und kann daher nicht beobachtet werden.
Neptun
stand zwar bereits Ende März in Konjunktion mit der Sonne. Doch aufgrund der flach zum Horizont geneigten Ekliptik reichen die anwachsenden Elongationen auch im Mai noch nicht aus, ihn am Morgenhimmel sichtbar werden zu lassen.
Der Sternenhimmel


Zur Standardbeobachtungszeit (24:00 MESZ am Monatsanfang, 23:00 MESZ zur Monatsmitte und 22:00 MESZ am Monatsende) steht der Große Wagen über unseren Köpfen im Zenit. Er ist der auffälligste Teil des größeren Sternbilds Großer Bär. Unterhalb der Wagendeichsel leuchtet das nur aus zwei Sternen bestehende Sternbild Jagdhunde. In der fünffachen Verlängerung der vorderen Wagensterne stoßen wir auf den Polarstern, der stets genau im Norden steht. Er ist der hellste Stern des Sternbilds Kleiner Bär, das außer dem Polarstern noch zwei hellere Sterne aufweist, die nun fast ihre höchste Stellung erreicht haben. Der Gegenpart des Großen Bären, das Sternbild Kassiopeia oder Himmels-W, steht nun tief über dem Nordhorizont.
Westlich der Kassiopeia hat das Sternbild Kepheus mit seinem Aufstieg begonnen. Das kleine und schwache Sternbild Eidechse unterhalb des Kepheus ist noch kein Beobachtungsobjekt, das Sternbild Giraffe keines mehr. Zwischen Großem und Kleinem Bär windet sich das Sternbild Drache, dessen auffälliger Kopf in bequemer Höhe zu finden ist.
Im Nordwesten gehen gerade die Sternbilder Perseus und Fuhrmann unter, im Westen die Sternbilder Zwillinge (mit dem auffälligen Jupiter) und Kleiner Hund. Lediglich deren helle Sterne Capella, Castor und Pollux sowie Procyon fallen noch ins Auge. Während die schwachen Sternbilder Luchs und Kleiner Löwe noch in bequemer Höhe stehen und somit identifiziert werden können, ist der Krebs für sinnvolle Beobachtungen bereits zu weit herabgesunken.
Die Wasserschlange ist nun ganz aufgegangen. Ihren Kopf finden wir halbhoch im Südwesten, während der Schwanz im Südsüdosten steht. Das auffällige Sternbild Löwe mit dem hellen Regulus ist in den Südwesten gewandert, befindet sich aber noch in bequemer Höhe. Deutlich tiefer positioniert sind das schwache Sternbild Becher und das auffälligere Sternbild Rabe.
Tief im Süden kulminieren die nördlichsten Sterne des Zentauren, welches ein originäres Sternbild des Südhimmels ist. Oberhalb der Sterne der Wasserschlange kulminiert das Sternbild Jungfrau mit der bläulichen Spica, und darüber das schwache Sternbild Haar der Berenice, in welchem der Sternhaufen Melotte 111 mit dem Fernglas gesichtet werden kann.
Nordöstlich der Jungfrau steht das Sternbild Bärenhüter mit dem orangefarbenen Arktur. Regulus, Spica und Arktur bilden das Frühlingsdreieck. Über dem Südosthorizont ist eben das Sternbild Skorpion aufgetaucht und westlich davon kann das wenig auffällige Sternbild Waage ausgemacht werden. Ebenfalls über dem Südosthorizont erhebt sich die riesige Gestalt des Sternbilds Schlangenträger. Vom Sternbild Schlange ist erst der westliche Teil aufgegangen.
Oberhalb des Schlangenträgers finden wir im Osten das ausgedehnte Sternbild Herkules und zwischen diesem und dem Bärenhüter das markante Sternbild Nördliche Krone. Das kleine Sternbild Leier mit der hellen Wega steht im Nordosten, gefolgt vom gerade aufgegangenen Sternbild Schwan mit Deneb als Hauptstern. Das schwache Sternbild Füchschen steht für eine sinnvolle Identifikation noch zu tief. Im Mai ist die Milchstraße selbst unter einem dunkleren Himmel kaum auszumachen, da sie sich sehr horizontnah vom West- über dem Nord- zum Osthorizont zieht. Ihr Verlauf wird durch die aktuell tief stehenden Sternbilder Zwillinge (Westteil), Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia, Kepheus, Schwan, Adler und Schlangenträger definiert.
