Von:
Im September beginnt sich der Himmel vom Sommer- zum Herbstanblick zu verändern. Das Sommerdreieck befindet sich entsprechend bereits westlich des Meridians. Das Sternbild Schütze nähert sich seinem Untergang. Dafür findet man im Südosten die markanten Herbststernbilder Pegasus und Andromeda. Unter diesen befinden sich die recht lichtschwachen Sternbilder Steinbock, Wassermann und Fische. Tief über dem Südosthorizont blinkt der für unseren Standort südlichste helle Stern, Fomalhaut, auf. Nach vielen Monaten der Sichtbarkeit verabschiedet sich die Venus vom Abendhimmel. Dafür kann nun der Planet Saturn als auffälliges Gestirn im schwachen Sternbild Fische beobachtet werden. Am Morgenhimmel findet man Mars und Jupiter.✨
Mond
04.: Letztes Viertel (Stier)
11.: Neumond (Löwe)
14.: Erste Sichtung am Abendhimmel möglich (gegen 20:00 MESZ, tief!!!)
18.: Erstes Viertel (Schlangenträger)
26.: Vollmond (Fische)
Planeten und Kleinplaneten
Merkur
stand Ende August in oberer Konjunktion mit der Sonne. Seine östlichen Elongationen nehmen nur langsam zu. Da zudem die abendliche Ekliptik sehr flach zum Horizont orientiert ist, kann Merkur in der Abenddämmerung nicht ausgemacht werden.
Venus
beendet Ende September ihre Abendsichtbarkeit. Ihre Untergänge verlagern sich von 21:00 MESZ auf 19:15 MESZ. Am Monatsende geht sie somit bereits kurz nach der Sonne unter. Am 3. September passiert Venus die Spica, den Hauptstern des Sternbilds Jungfrau, 1.4° südlich, was in einem Fernglas beobachtet werden kann. Am Vormittag des 14. September wird Venus vom Mond bedeckt. Der Eintritt am unbeleuchteten Mondrand erfolgt für Karlsruhe um 11:29 MESZ, wobei die Horizonthöhe allerdings lediglich 3° beträgt, dieses Ereignis somit eher etwas für Spezialisten ist. Der Austritt am beleuchteten Mondrand um 12:37 MESZ erfolgt in einer Horizonthöhe von immerhin 12°, was in einem Fernglas oder Teleskop beobachtbar sein sollte. Am Abend des gleichen Tages findet man die Mondsichel 3° links des Abendsterns. Allerdings stehen beide Objekte recht tief. Ihren größten Glanz mit –4.8m erreicht Venus am 18. September, doch kann sie zu diesem Zeitpunkt nur noch in der Dämmerung tief über dem Horizont gesichtet werden. Teleskopische Beobachtungen dürften schwierig sein. Sollten diese dennoch gelingen, sieht man den scheinbaren Durchmesser des Planetenscheibchens im Monatsverlauf von 30“ auf 48“ zu-, den Beleuchtungsgrad aber von 39% auf 16% abnehmen. Ende September präsentiert sich Venus somit als große, schmale Sichel.



Mars
ist ein gut erkennbares Objekt der zweiten Nachthälfte. Der 1.2m helle Rote Planet verlagert seine Aufgänge im Monatsverlauf von 1:30 MESZ auf 1:15 MESZ. Am Morgen des 7. September findet man die Mondsichel gleich nach dem Aufgang 4° links vom Mars. Mars bewegt sich rechtläufig durch das Sternbild Zwillinge und passiert am 19. September Pollux 6° südlich. Am 25. und 26. September bilden Castor und Pollux mit Mars eine gerade Linie. Auf dem Marsscheibchen sind bei einem scheinbaren Durchmesser von 5.5“ noch keine Details erkennbar.


Jupiter
ist ein auffälliges Objekt am Morgenhimmel. Die Aufgänge verlagern sich im Monatsverlauf von 4:15 MESZ auf 3:00 MESZ. Der –1.9m helle Riesenplanet wandert rechtläufig durch das Sternbild Krebs und tritt am 23. September ins Sternbild Löwe. Am Morgen des 9. September befindet sich die Mondsichel 6° links unterhalb des Gasriesen. Teleskopische Beobachtungen können nun wieder angepeilt werden. Jupiter präsentiert ein ovales Scheibchen mit einem scheinbaren Äquatordurchmesser von 32.5“, auf dem selbst mit kleinen Instrumenten das Nördliche und Südliche Äquatorialband und der Große Rote Fleck erkennbar sind. In größeren Instrumenten kann man weitere schwächer ausgeprägte Bänder erkennen. Dabei ist die Jupiteratmosphäre hochdynamisch, so dass tägliche Beobachtungen ein sich ständig veränderndes Bild zeigen. Daneben bereichern die vier hellen Jupitermonde die Szenerie mit ihren ständig wechselnden Konstellationen und vielfältigen Ereignissen (Verfinsterungen und Bedeckungen durch Jupiter, Vorübergänge und Schattenvorübergänge vor Jupiter). Zudem sehen wir in den kommenden Monaten fast auf die Bahnebenen der Monde, so dass es zusätzlich zu Verfinsterungen und Bedeckungen zwischen den Monden kommen wird.

Saturn
erreicht zum Monatsende fast seine Opposition. Die Helligkeit steigt auf 0.4m an. Der Planet bewegt sich rückläufig, zunächst durch das Sternbild Fische, ab dem 5. September durch einen Randbezirk des Sternbilds Walfisch. Geht er am 1. September um 21:15 MESZ auf, überschreitet er am 30. September bereits um 19:15 MESZ die Horizontlinie. Den Vollmond findet man in der Morgendämmerung des 27. September 6° rechts und am frühen Abend des gleichen Tags 9° links vom Ringplaneten. Im Teleskop präsentiert Saturn ein 19.5“ großes Planetenscheibchen, auf dem das Nördliche und Südliche Äquatorband ausgemacht werden können. Der Ring misst 44×6“ und ist 8° gegen die Sichtlinie zum Betrachter geneigt. Damit sollte die Cassini-Teilung erkennbar sein. In kleineren Instrumenten sind im September die helleren Monde (in der Reihenfolge zunehmender Distanz vom Ring) Tethys (10.1m), Dione (10.3m), Rhea (9.6m) und Titan (8.2m) sichtbar. Den Mond Japetus findet man im September westlich des Planeten bei einer Helligkeit von etwa 10.5m. Mit größeren Instrumenten kann man versuchen, die sehr ringnahen Monde Mimas (12.8m) und Enceladus (11.6m) zu finden, sowie den außerhalb der Titanbahn umlaufenden Hyperion (14.1m).

Uranus
kann ab der zweiten Monatshälfte bereits vor Mitternacht im Fernglas aufgefunden werden. Geht er am 1. September um 23:00 MESZ auf, überschreitet er am 30. September die Horizontlinie bereits um 21:00 MESZ. Etwa eine Stunde später kann er im Fernglas gut erkannt werden. Der 5.7m helle Planet wird am 10. September stationär und bewegt sich anschließend rückläufig durch das Sternbild Stier, etwa auf der Verbindungslinie zwischen den Plejaden und Aldebaran (dem „Goldenen Tor der Ekliptik“). Gegen Mitternacht in der Nacht vom 3. auf den 4. September steht der abnehmende Halbmond 5° links oberhalb von Uranus. Im Teleskop präsentiert Uranus ein grünliches, 3.7“ großes Scheibchen, auf dem keinerlei Details erkennbar sind. In größeren Instrumenten können die beiden hellsten Monde Titania (in 30“ Distanz / 13.9m) und Oberon (40“ / 14.1m) aufgefunden werden.


Neptun
kommt am 26. September in Opposition zur Sonne, womit seine Entfernung zur Erde ein Minimum und sein scheinbarer Durchmesser ein Maximum erreicht. Zudem ist er die ganze Nacht über sichtbar. Geht Neptun am 1. September noch um 21:00 MESZ auf, so gilt für den Oppositionstag: Aufgang bei Sonnenuntergang, Kulmination kurz nach Mitternacht und Untergang bei Sonnenaufgang. Der 7.8m helle Planet bewegt sich rückläufig durch den Westteil des Sternbilds Fische und kann in einem Fernglas leidlich gut gesehen werden. Am 26. September steht der helle Vollmond nur 4° entfernt und dürfte Beobachtungen für etwa eine Woche stark erschweren. Im Teleskop kann ab etwa 200x das 2.4“ kleine Scheibchen erkannt werden. Mit größeren Instrumenten kann der 13.4m helle Mond Triton etwa 15“ von Neptun entfernt ausgemacht werden.

Pluto
kann im September noch mit größeren Instrumenten beobachtet werden. Der berühmteste Zwergplanet ist mit einer Helligkeit von 14.4m und aufgrund seiner Position im Sternbild Steinbock ein schwieriges Objekt selbst in einem großen Instrument. Die damit verbundenen geringen Horizonthöhen lassen eine Beobachtung mit Aussicht auf Erfolg nur in den zwei Stunden um die Kulmination zu. Diese findet zu Monatsbeginn um 23:15 MESZ, am Monatsende um 21:15 MESZ statt. Die drei Aufsuchkarten sollen bei der Identifikation behilflich sein.



(2) Pallas
kann zu Monatsbeginn kurz nach, am Monatsende bereits kurz vor Mitternacht mit Aussicht auf Erfolg beobachtet werden. Kleinplanet Nr. 2 bewegt sich in südlicher Richtung durch das Sternbild Walfisch, östlich des 3.6m hellen Sterns theta Cet. Ihre Helligkeit steigt im Monatsverlauf von 8.9m auf 8.4m an.

(4) Vesta
kann zu Monatsbeginn kurz nach, am Monatsende bereits kurz vor Mitternacht mit guter Aussicht auf Erfolg beobachtet werden. Kleinplanet Nr. 4 bewegt sich in südwestlicher Richtung durch das Sternbild Walfisch, nördlich von Pallas. Vestas Helligkeit steigt im September von 7.0m auf 6.5m an, was sie zu einem leichten Fernglasobjekt macht.

(192) Nausikaa
nähert sich ihrer Opposition, die sie Anfang Oktober erreichen wird. Kleinplanet Nr. 192 bewegt sich rückläufig durch das Sternbild Fische. Ihre Helligkeit steigt von 9.3m auf 8.4m an. Am besten beobachtet man sie in den Stunden um ihre Kulmination. Diese ereignet sich zu Monatsbeginn um 3:30 MESZ, am Monatsende um 1:15 MESZ, wobei sie zum Monatsende hin auch schon am späteren Abendhimmel aufgesucht werden kann.

Der Sternenhimmel


Zur Standardbeobachtungszeit (24:00 MESZ zu Monatsbeginn, 23:00 MESZ zur Monatsmitte und 22:00 MESZ am Monatsende) weist das Sternbild Großer Bär, welches den Großen Wagen einschließt, nur noch geringe Höhen über dem Nordwesthorizont auf. Das Sternbild Kassiopeia, das Himmels-W, steht hingegen in bequemer Höhe im Nordosten. Zwischen beiden Sternbildern befindet sich das Sternbild Kleiner Bär – auch als Kleiner Wagen bezeichnet – mit dem Polarstern, wobei die vorderen Wagensterne nur noch halbhoch im Nordwesten stehen. Der Drache, welcher sich in weitem Bogen um das Sternbild Kleiner Bär windet, ist in die Westhälfte gerückt. Zwischen Drache und Kassiopeia findet sich der Kepheus, der gerade durch den Meridian läuft, somit seine maximale Höhe erreicht hat.
Das Sternbild Bärenhüter schickt sich an, unterzugehen. Sein heller Hauptstern Arktur steht nur noch knapp über dem Nordwesthorizont. Dem Bärenhüter nachfolgend und ebenfalls bereits dem Horizont entgegensinkend, steht das kleine aber markante Sternbild Nördliche Krone und der schwieriger auszumachende Herkules. Im Westen bereitet sich das große Sternbild Schlangenträger mit der Schlange auf den Untergang vor. Im Südwesten ist der Schütze dabei, unterzugehen.
Das Sommerdreieck, gebildet aus den hellen Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan (fast im Zenit) und Atair im Adler, ist an den Südwesthimmel gerückt, zieht aber weiterhin die Blicke auf sich. In diesem Himmelsbereich finden sich auch die kleinen Sternbilder Schild, Pfeil, Füchschen, Delphin und Füllen. Dabei ist das Sternbild Delphin, welches eben den Meridian passiert, das markanteste dieser fünf kleinen Konstellationen.
Im Süden findet sich in geringer Höhe das recht unscheinbare Sternbild Steinbock, darüber der Westteil des Sternbilds Wassermann. Tief im Südsüdosten glitzert ein hellerer Stern. Es ist Fomalhaut, der Hauptstern des Sternbilds Südlicher Fisch – der südlichste bei uns sichtbare Stern 1. Größe.
Über dem Südosthorizont stehen die ausgedehnten Sternbilder Wassermann und Walfisch, wobei letzterer noch so tief steht, dass er kaum auffällt. Oberhalb dieser beiden Sternbilder zeigt sich das Sternbild Fische, welches nur aus Sternen 3. und 4. Größe besteht und daher nur unter dunklem Himmel gut erkennbar ist. Lediglich der Kopf des westlichen Fischs fällt ein wenig auf. In diesem Jahr kann Saturn zudem bei der Suche helfen. Das dominierende Sternbild im Südosten ist der Pegasus, auch Herbstviereck genannt. Östlich schließt sich die Sternenkette des Sternbilds Andromeda an. Am Ende der kurzen, nach Norden weisenden Sternenkette innerhalb der Andromeda finden wir den berühmten Andromedanebel, unsere Nachbargalaxie. Unterhalb der Andromeda sind die Sternbilder Dreieck und Widder beheimatet. Das unscheinbare Sternbild Eidechse findet sich östlich des Meridians in Zenitnähe.
Im Nordosten haben die Sternbilder Perseus und Fuhrmann – mit der hellen Capella – mit ihrem Aufstieg begonnen. Dies gilt ebenso für das Sternbild Giraffe. Da dieses aber nur aus lichtschwachen Sternen besteht, fällt es schwer, es in geringer Höhe auszumachen. Unterhalb des Perseus kann man bereits den auffälligen Sternhaufen der Plejaden (Siebengestirn) ausmachen, der den Aufgang des Sternbilds Stier ankündigt.
Die Sommermilchstraße steigt im Südwesten (Sternbild Schütze) über den Horizont und zieht sich dann über die Sternbilder Schild (mit der hellen Schildwolke), Adler und Schwan (mit auffälligen Partien) bis in den Zenit, um danach über Kassiopeia, Perseus und Fuhrmann zum Nordosthorizont abzusinken.
Im Herbst scheint sich der Himmelsanblick deutlich weniger zu ändern als in den übrigen Jahreszeiten, insbesondere dem Frühjahr. Die Ursache ist der stetig früher stattfindende Sonnenuntergang, welcher zu einem stetig früheren Zeitpunkt für das Dämmerungsende führt. Dies bedingt, dass ein Beobachter tendenziell früher mit seinen Beobachtungen beginnt und sich somit die Sternenkulisse noch nicht entsprechend weiter bewegt hat.
