Der historische Refraktor

1752

Christian Mayer (1719-1783)

Den Beginn der Astronomischen Forschung in unserer Region kann man ins Jahr 1752 legen, in dem der Mathematiker und Astronom Christian Mayer an die Universität Heidelberg berufen wird. Der Kurfürst von der Pfalz Carl Theodor, zeigt großes Interesse an den Naturwissenschaften und kann von Mayer dazu gebracht werden, ein kleines hölzernes Observatorium im Schwetzinger Schlossgarten vor der Orangerie errichten zu lassen.

1761

Am 6.6.1761 beobachtet Carl Theodor zusammen mit Christian Mayer den Vorübergang der Venus vor der Sonnenscheibe.

1764

Auf dem Mittelteil des Schwetzinger Schlosses wird 1764 ein Observatorium gebaut, mit einem kupfergedeckten Türmchen, 3,25 m im Durchmesser, und einem schmalen Umgang, der direkt vom Schlafzimmer des Fürsten aus zu erreichen war.

1769

Carl Theodor beobachtet den nächsten Venusdurchgang am 3.6.1769 von seinem Schwetzinger Observatorium aus, zusammen mit Franz Xaver von Sachsen während Mayer auf Einladung der Petersburger Akademie der Wissenschaften zur Beobachtung dieses seltenen Phänomens in St. Petersburg weilt.

1772

Turm der Mannheimer Sternwarte

Der Präsident der Mannheimer Akademie der Wissenschaften, Baron von Hohenhausen, legt am 1.10.1772 den Grundstein zu der Mannheimer Sternwarte bei der Jesuitenkirche, einem auf Anraten Mayers zu errichtenden 33 m hohen Turm.

1783

Am 16.4.1783 stirbt Christian Mayer, betrauert von der wissenschaftlichen Welt als der Entdecker der Natur der Doppelsterne (zwei Sonnen, die um ihren gemeinsamen Schwerpunkt kreisen).

1848

Ab 1848 werden Pläne zur Neuausrüstung der Mannheimer Sternwarte mit Prof. Argelander (Bonn) besprochen. Er empfiehlt eine Drehkuppel auf dem Dach der Sternwarte, in der ein 6-zölliger Refraktor unterzubringen ist. Der Großherzog von Baden zeigt großes Interesse, die Stände (das Parlament) bewilligen das benötigte Geld.

1859

Im Frühjahr 1859 wird bei Steinheil in München schließlich ein Sechszoll-Refraktor bestellt.

1860

Großherzog Friedrich I. und Gemahlin Luise

Am 20.5.1860 besuchen Großherzog Friedrich I. und seine Gemahlin Luise die wiederhergestellte Mannheimer Sternwarte und bewundern das neue Fernrohr.

1875

Wilhelm Valentiner (1849-1931)

Als Astronom kann Eduard Schönfeld, ein Schüler von Argelander aus Bonn gewonnen werden: Damit ist nach den Wirren der napoleonischen Kriege und der Revolutionszeit "die Sternwarte wieder zur großen Freude der wissenschaftlichen Welt in die Reihe der nützlichen Anstalten eingetreten" erklärt er bei der Eröffnung. Er ist ein fleißiger Beobachter von Veränderlichen Sternen und Nebeln, deren Position er mit einem Ringmikrometer bestimmt. Zwei seiner Entdeckungen mit dem 6-Zoll-Refraktor werden in Dreyers "New General Catalogue" aufgenommen: NGC 4268 und NGC 4383 im Coma-Virgo-Haufen. 1875 wird Professor Wilhelm Valentiner Direktor des Observatoriums.

1880

Valentiner will aber weg von Mannheim weil dort die Beobachtungsbedingungen immer schlechter werden, außerdem will er in eine Stadt mit Universität. 1880 genehmigt Großherzog Friedrich I. den Umzug der Sternwarte nach Karlsruhe und stellt für eine provisorische Unterkunft den Erbprinzengarten (heute Nymphengarten, hinter dem Naturkundemuseum) zur Verfügung.

1885

Max Wolf (1863-1932)

Die geplante Karlsruher Sternwarte sollte, neben ihren wissenschaftlichen Beobachtungen, auch für den Zeitdienst sorgen und für die Eisenbahn und die Schwarzwälder Uhrenindustrie Zeitsignale telegraphisch übermitteln. Valentiner wird Professor an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Für die neue Karlsruher Sternwarte hatten er und der großherzogliche Baurat Lang Pläne gemacht und dafür 400 000 Mark veranschlagt. Sie ist aber nie gebaut worden weil die Gelder nicht bewilligt wurden. Der Sechszöller erhält 1885 von der Firma Boecker und Fecker (die später in die Firma Ernst Leitz eingeht) in Wetzlar eine neue Montierung. Da die Stände (das Parlament) das Geld hierfür nicht bewilligen, stellt der persönlich interessierte Großherzog dazu 5000 Mark vorschussweise aus seiner Zivilliste zur Verfügung. Für den endgültigen Standort der Sternwarte werden drei Vorschläge diskutiert:

  1. Auf dem Gelände des Polytechnikums (TH)
  2. Auf dem Gelände der Karlsruher Hofdomäne
  3. Auf dem Königstuhl bei Heidelberg

Man entscheidet sich für die dritte Variante. Den Ausschlag dafür gibt der Astronom Max Wolf, der mit einer Spende von 10.000 Dollar von einer USA-Reise zurückgekommen war.

1898

Nach dem Wegzug von Karlsruhe wird die neue Sternwarte am 20.6.1898 auf dem Königstuhl bei Heidelberg feierlich eingeweiht. Die astrometrische Abteilung übernimmt Prof. Wilhelm Valentiner, die astrophysikalische Prof. Max Wolf. Der Sechszöller wird dort zum Ausmessen von Sternhaufen sowie zu Lehr- und Übungszwecken benutzt.

1924

1924 finden letzte Beobachtungen mit dem Sechszöller in Heidelberg statt, u.a. durch unser inzwischen verstorbenes AVKa-Mitglied Dr. Malsch. Das Instrument wird stillgelegt.

1957

1957 bietet die Landessternwarte auf dem Königstuhl der Stadt Karlsruhe den Sechszöller für eine Schulsternwarte an. Die Stadt nimmt an, nicht zuletzt dank der lebhaften Fürsprache durch Studienrat Hildebrandt. Man beschließt, auf dem Dach des im Bau befindlichen Max-Planck-Gymnasiums in Rüppurr eine Schulsternwarte einzurichten und das Instrument dort aufzustellen.

1959

Karlsruher Sternwarte

Die Schulsternwarte des Max-Planck-Gymnasiums in Karlsruhe-Rüppur mit dem historischen 6-Zoll-Teleskop aus Heidelberg wird am 11.5.1959 eingeweiht.

1979

1979 übernimmt nach jahrelanger Volkssternwarten-Tätigkeit auf dem Kant-Gymnasium in der Karlsruher Innenstadt die Astronomische Vereinigung Karlsruhe die Betreuung der Schulsternwarte auf dem Max-Planck-Gymnasium in Rüppurr als "Volkssternwarte Karlsruhe" mit regelmäßigen öffentlichen Führungen am Freitag Abend.

1986

1986 wird das Instrumentarium auf der Volkssternwarte durch ein Schmidt-Cassegrain-Spiegelteleskop von Celestron (C-11) mit 280 mm Öffnung und einer Brennweite von 280 cm, das mit Zuschüssen der Stadt Karlsruhe angeschafft wurde, ergänzt.

1988

Ebenfalls mit finanzieller Hilfe der Stadt Karlsruhe, wird das alte Steinheil-Objektiv 1988 gegen ein besser korrigiertes 15cm-Linsensystem (vergüteter Halbapochromat) der Firma Lichtenknecker ausgetauscht.

2003

Am 30.4.2003 wird das Fernrohr und die Sternwarte in die Liste der Denkmäler in Baden-Württemberg aufgenommen.